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Die Mediatoren |
Fortbildung der Mediatorinnen verlief äußerst erfolgreich
Paulas Problem
"Du bist ja total asi!", ist ein Satz, den Paula oft hört.
Immer wieder machen sich Mitschülerinnen über ihre Kleidung lustig und
nehmen Paula ihr Federmäppchen weg. Meistens findet sie es auf dem großen
Schrank hinten im Klassenzimmer wieder. Wenn Paula auf einen Stuhl steigt
und ihre Hand ungeschickt tastend nach dem Federmäppchen ausstreckt, hört
sie, wie ihre Mitschülerinnen über sie lachen.
Paula gibt es nicht wirklich. Und auch ihre Mitschülerinnen sind nur Akteure
in dem Rollenspiel, anhand dessen die Streitschlichter des Gymnasiums und
der Wirtschaftsschule Seligenthal die gerade gelernte Methode zur
Intervention bei Mobbingfällen einüben.
In dem Klassenzimmer, in dem die Schülerinnen sitzen, ist es still.
Ungewohnt still. Die Schritte auf dem Gang, das Klappen einer Tür, die laute
Stimme eines Lehrers oder das schrille Lachen einer Schülerin, das durch die
Wände dringt - die ganze alltägliche Geräuschkulisse einer Schule fehlt. Es
ist Samstag, der 2. Oktober 2010, und knapp 40 Schülerinnen sitzen zusammen
mit der Leiterin des Projekts „Faire Kommunikation“ Maria Fischer in der
Schule und lauschen den Ausbilderinnen Karin Stanggassinger und Veronika
Kimmelmann.
Der Tag beginnt für die teilnehmenden Schülerinnen schon um halb neun. Nach
der Begrüßung durch die Schulleiterin der Wirtschaftsschule, Frau Liebig,
und die Vertreterin des Elternbeirats des Gymnasiums, Frau Del Fabbro, gibt
es eine kurze Vorstellungsrunde. Von der achten Klasse bis zur K13 sind alle
Jahrgangsstufen vertreten. Einige Schülerinnen sind schon seit Jahren dabei,
andere sind ganz neu.
Gemeinsam wiederholen die beiden Ausbilderinnen mit den Schülerinnen die
Grundlagen der Mediation, bevor sie die Gruppe aufteilen. Die "Neuen" werden
im Lauf des Tages das eben Gehörte noch vertiefen, die "Erfahrenen" lernen
Paula kennen.
Nach einer Mittagspause mit Pizza und von der Schulleiterin des Gymnasiums,
Frau Weger, persönlich vorbeigebrachter Schokolade geht es um 13 Uhr frisch
gestärkt wieder an die Arbeit. Für die "Neuen" steht eine weitere Vertiefung
des Mediationsgesprächs auf dem Programm, die "Erfahrenen" beschäftigen sich
mit Mobbing-Prävention.
Um 17 Uhr ist die Fortbildung für die Streitschlichter beendet. Im Lauf des Tages haben sie viel gelernt. Die "Neuen" sind jetzt gar nicht mehr so neu, und die "alten Hasen" könnten Paula jetzt helfen - damit deren Federmäppchen immer auf dem Tisch liegt, wo es hingehört.
Charlotte Unruh
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Wenn zwei sich streiten . . . hilft oft ein Dritter
Schon seit 8 Jahren gibt es in Seligenthal das Projekt „Faire Kommunikation“, in dessen Rahmen sich Schülerinnen als Mediatorinnen, auch Streitschlichterinnen ausbilden lassen, um ihren Mitschülerinnen bei Problemen im Umgang miteinander hilfreich zur Seite stehen zu können. Ihre Tätigkeit beschränkt sich aber nicht nur auf das Schlichten von Streitigkeiten zwischen Einzelnen oder in Klassen, sondern ihre Hauptaufgabe liegt vielmehr in der Unterstützung einer positiven Gesprächskultur an der Schule. So besuchen sie jedes Jahr die Klassen, um in eigenen Unterrichtsstunden mit den Schülerinnen Strategien fairer Kommunikation einzuüben.
Da im vergangenen Schuljahr viele erprobte Mediatorinnen ihren
Schulabschluss gemacht haben, wurde es nötig, rechtzeitig für „Nachwuchs“
zu sorgen. Nachdem sich viele interessierte Schulerinnen aus der
Mittelstufe der Wirtschaftsschule und des Gymnasiums gemeldet hatten, übernahmen
zwei erfahrene Ausbilderinnen, Sabine Hassan und Karin Stanggassinger, die
Aufgabe, unsere „Neulinge“ in die Aufgaben einer Mediatorin einzuführen und
unseren „alten Hasen“ eine Vertiefung ihrer Kenntnisse anzubieten, und so trafen
sich 26 engagierte Schülerinnen beider Schularten am Samstag, den 15. 11.
zusammen mit den das Projekt betreuenden Lehrerinnen Frau Fischer, Frau Weigl
und Frau
Die Schulleiterin des Gymnasiums, Sr. Christiane Hansen, und die Schulleiterin der Wirtschaftsschule, Frau Ulrike Liebig, ließen es sich nicht nehmen, die Schülerinnen zu begrüßen und ihr besonderes Engagement im Dienst an ihren Mitschülerinnen zu würdigen.
In einer ersten Unterrichtseinheit wurden die Grundlagen, wie aktives Zuhören, Formulierung von Ich-Botschaften, um eigene Bedürfnisse wirkungsvoll aber nicht verletzend vorzubringen, und Strategien zur Deeskalation von Konflikten erarbeitet, wobei die schon erfahrenen Mediatorinnen viele wertvolle Tipps beisteuerten. Im Anschluss daran übten die Schülerinnen in Rollenspielen die frisch erworbenen Kenntnisse ein. Die Älteren beschäftigten sich währenddessen mit dem Thema „Mobbing“ und lernten Methoden, die Situation richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Mit interaktiven Spielen übten die Schülerinnen, wie sie rechtzeitig Mobbing erkennen und im Konfliktfall dem Opfer helfen können. Dabei wurde deutlich, dass Mobbing vor allem auch durch das untätige Zusehen anderer gefördert wird und dass es deshalb wichtig ist, „Zivilcourage“ zu zeigen und durch beherzte Solidarisierung mit den zu Unrecht Angegriffenen den Täter zu entmutigen.
Am Ende des Tages waren sich alle einig, dass der freiwillig geopferte „freie Tag“ sich voll und ganz gelohnt hat, denn die neu erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sind auch im privaten Alltag jederzeit gewinnbringend einzusetzen
Wir wünschen unseren Mediatorinnen viel Elan und Erfolg bei ihrer Arbeit und bedanken uns bei den Elternbeiräten der Wirtschaftsschule und des Gymnasiums, die durch ihre persönliche Anwesenheit ihr Interesse am Projekt bekundeten und die Kosten für das Mittagessen übernahmen.
Ursula
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