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Lehrerfortbildung |
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Die Regel des Heiligen Benedikt und die Schule Die Auseinandersetzung mit der Benediktusregel
stand im Mittelpunkt des 2. Treffens Lehrerinnen und Lehrern
deutschsprachiger benediktinischer Schulen im
oberösterreichischen Zisterzienserstift Schlierbach, das vom 13.
– 15. November 2009 stattfand. Ca. 80 Kolleginnen und Kollegen
aus 19 benediktinisch geprägten Schulen zwischen Wien und Fahr,
zwischen Meschede und St. Ottilien nahmen daran teil. Gymnasium
und Wirtschaftsschule der Schulstiftung Seligenthal wurden von
Sr. Mirjam Zeidler, Marlene Krieg und Roswitha Forstner
vertreten. Nach der gemeinsamen Laudes am
Samstagvormittag referierte Schwester Dr. Michaela Puzicha, OSB,
Leiterin des Instituts für Benediktinische Studien in Salzburg,
über „Können und Sein: das Anforderungsprofil der
Benediktusregel an Lernende und Lehrende.“
„Constituenda
est nobis ergo schola“, so Sr. Michaela, heißt es im Prolog der
Benediktusregel. Gemeint sei eine Lebensschulung zur Einübung
des „gegenseitigen Dienstes“, die Übernahme von Verantwortung in
und für die Gemeinschaft. „Scire“, ein Schlüsselbegriff der
Regel, bedeute also nicht in erster Linie zu vermittelndes
Sachwissen, sondern geistliche und menschliche Kompetenzen,
sprich Lebenskompetenz. Die Schule sei daher als
Erziehungsgemeinschaft zu sehen, als Lebensraum, in dem durch
die Autorität des Lehrers, dessen Erziehungsqualitäten auf
Reife, Zuwendungsfähigkeit und fachlichem Wissen beruhten,
geistiges und geistliches Wachstum stattfinden könne. Die
menschliche Reife des Lehrers zeige sich nicht in
Überheblichkeit, sondern in Verlässlichkeit, Wahrhaftigkeit,
Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit („qualis debeat esse“).
Ausschlaggebend für die Glaubwürdigkeit des Lehrers sei sein
Lebensbeispiel, die Übereinstimmung von Leben und Lehre. Die
Frage nach dem „qualis debeat esse“ beinhalte daher auch die
Frage nach Selbsterkenntnis, nach Gefährdungen, Anfechtungen,
Verletzungen und Lebenswunden des Lehrenden. Erziehung definiere die Benediktusregel als
lebenslangen Prozess („processus“) auf Gegenseitigkeit, d.h. als
ein Fortschreiten auf dem Weg der Reifung in Freiheit und
Verantwortung. Um sich dem Ziel der „humanitas“, der
Selbstständigkeit, anzunähern, bedürfe es der ständigen Übung
ohne asketischen Druck. „Processus“ meine also auch den Erwerb
von Selbstkompetenz, d.h. ein Leben ohne Bevormundung oder gar
Entmündigung führen zu können. Ein weiterer Aspekt des
Erziehungsprozesses sei der Erwerb sozialer und spiritueller
Kompetenzen und nicht zuletzt von Sachkompetenz als Grundlage
für die Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben und für
die Gemeinschaft. Voraussetzung dafür seien geeignete
Rahmenbedingungen in der Gemeinschaft, die Freiwilligkeit und
Zustimmung zum eigenen Tun zuließen. Ein ganz wesentlicher Bestandteil der
Erziehung sei die Erziehung zum Frieden, „weil Frieden nie
fertig ist.“ Frieden müsse täglich neu gesucht und gestaltet
werden, d.h., Konflikte dürften nicht verdrängt, sondern müssten
wahrgenommen und benannt und im Dialog gelöst werden. Willkür
und Unberechenbarkeit dürfe es nicht geben, wohl aber müssten
die Konsequenzen allen Tuns offen angesprochen werden, damit
Entscheidungen frei getroffen werden könnten. Da die Regel von
der Realität des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft ausgehe,
die von den Eigenheiten ihrer Mitglieder („mores multorum“),
d.h. z.B. auch von Neid und Eifersucht geprägt sei, müssten
Friedensbereitschaft und –fähigkeit jeden Tag neu eingeübt
werden. Der Umgang miteinander solle geprägt sein von
der „aequalitas personarum“, dem Ethos der Gleichwertigkeit und
Wertschätzung, durch das sowohl Unter- als auch Überforderung
ausgeschlossen würden. Der Lehrer müsse also über die Fähigkeit
der „discretio“, der klugen Unterscheidung, verfügen, d.h.
einerseits Milde und Nachsicht zu üben, aber auch „nein“ sagen
zu können. Nur so sei umsichtige Menschenführung („humanitas“),
die sich in der Aufmerksamkeit für die konkrete Situation zeige,
möglich, und so entstehe Vertrauen zwischen Lehrern und
Lernenden. Das letzte, sehr gewichtige Wort der
Benediktusregel, so Sr. Michaela, lautet „pervenies“, was soviel
heißt wie „du kommst an“. Damit sei
gemeint. Diese umfassende „Vertrauenskultur“
gründe in dem Glauben an den Herrn, der alles vermag - „Dominus
qui omnia potest“. Im Anschluss an das Referat fand in mehreren
Workshops ein Austausch über die Chancen und Möglichkeiten
statt, die Regel des Heiligen Benedikt in der eigenen Schule
lebendig werden zu lassen Vor dem gemeinsamen Sonntagsottesdienst in der
Stiftskirche warben Pater Martin, Administrator des Stifts
Schlierbach, Bruder Josef von St. Ottilien und Hubert Hering aus
Münsterschwarzach für benet, das Netzwerk benediktinischer
Schulen: Es wurde bekanntgegeben, dass im November 2010
ein internationales Lehrertreffen in St. Ottilien stattfindet,
dass zum nächsten deutschsprachigen Treffen im Jahr 2011 das
Kloster Waldsassen einlädt und 2012 im Vorfeld des
Weltjugendtages ein benediktinisches Jugendtreffen in Spanien
geplant ist. Von Meschede ausgehend ensteht auch ein Netzwerk
von Elternbeiräten benediktinischer Schulen.
Marlene Krieg |
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